Leben (?) zwischen Vergangenheit und Zukunft
Was war das eigentlich für ein Leben, das ich bisher gelebt habe? Die Umstände als Kind konnte ich mir nicht so aussuchen, aber auch später als Erwachsener saß ich in dem eigenen Gefängnis, das mich zwar von den schlechten Seiten des Lebens abschottete, aber mich auch daran hinderte, an den guten Seiten des Lebens teilzuhaben. Mich abschottete von Gefühlen, negativen wie positiven.
Positive Gefühle? Etwas, was ich gar nicht richtig einschätzen kann. Wie aber auch, wenn ich sie gar nicht erst zulasse. Etwas, was mir Angst macht, weil ich es nicht kenne. Meinen eigenen Gefühlen da auch nicht so recht über den Weg traue. Als kleines Kind sehnte ich mich nach Zuneigung, später suchte ich als Ersatz dann Anerkennung. Letztere bekam ich wenigstens - von den Lehreren in der Schule beispielsweise. Aber sie war nicht von Dauer. Und so war mein Leben immer irgendwo auch ein ständiger Kampf, auf irgendeine Art und Weise Leistung zu erbringen, um Anerkennung zu erlangen, und somit das Gefühl, wenigstens auf Zeit eine Lebens-Berechtigung zu haben. Die ich mir aber dann ständig von neuem verdienen musste. Zwischendurch, wo ich keine Leistung erbrachte, war ich schlichtweg ein Versager.
Mein Lebensziel, soviel Leistung erbracht zu haben, dass das Gefühl der Wertlosigkeit für immer verschwindet, werde ich das überhaupt jemals erreichen? So lebe ich immer wieder für eine Zukunft, die wohl niemals eintreten wird. Eine imaginäre Zukunft, in der ich mir selbst gestatte, das Leben genießen zu können, weil ich ausreichend Leistung für andere erbracht habe. Aber selbst wenn mir andere Leute das bescheinigen, und ich das darüberhinaus auch noch annehmen würde, wäre ich dazu überhaupt in der Lage, zu leben? Wenn ich in der Vergangenheit nicht gelernt habe, die Gegenwart zu genießen? Im Hier und Jetzt leben, nein das habe ich in der Vergangenheit nicht gelernt, ich habe immer nur für eine imaginäre Gegenwart in der Zukunft gelebt.
Wann fang ich an, die Gegenwart in der Gegenwart zu leben? Mich selbst zu sehen, im Hier und Jetzt. Mir zu gestatten zu leben, weil ich lebe. Mich selbst anzunehmen, so wie ich bin.