Erinnerungsfetzen einer Kindheit
Angst vor der Dunkelheit und in dem Gitterbett zu schlafen
Angst vor dem bellenden Hund, an dessen Grundstück ich tagtäglich auf dem Weg zum Kindergarten vorbeikomme
Sehnsucht danach, dass mich meine Mutter nur einmal in den Arm nimmt
vor meinen Eltern weglaufend, die versuchen mich einzufangen, um mir den "blanken Hintern zu versohlen"
Hass auf meine ältere Schwester, wenn sie von meiner Großtante mal wieder in den höchsten Tönen gelobt wird, wie brav sie sei, und wie viel sie weiß, ich dagegen wäre so "ungezogen"
weinend, weil die andern Kinder mal wieder meine Burgen aus Bauklötzen zum Einsturz gebracht haben
Angst vor den Spritzen, die ich im Krankenhaus bekomme
von meiner Mutter ausgeschimpft, als ich zum ersten Mal beim Abwasch helfen soll und ich aus Ungeschicklichkeit ein Glas fallen lasse, ich hätte das mit Absicht gemacht, und wäre zu nichts nutze
gescholten von meinen Eltern, weil ich zuwenig esse
"liebkost" von meinem Vater
Angst auf dem hohen Aussichtsturm, während sich die anderen Kinder über die Aussicht freuen
Angst, dass aus mir später einmal nichts wird und ich deswegen besonders gut in der Grundschule sein muss
Angst vorm Einschlafen bis zum frühen Morgen
Angst, wenn ich nachts aufwache von dem lauten Zetern und Schimpfen meiner Mutter, da mein Vater wieder völlig betrunken nach hause nach Hause gekommen ist.
Angst vor den Jungen in der Grundschule, die mir zwischen die Beine treten wollen, weil ich so ein Streber bin
von meiner Mutter angeschrieen, was ich denn zu so später Zeit auf dem Hausflur machen würde, als ich auf Toilette gehen wollte, ich wolle ja bloß nicht ins Bett
Angst vorm Sportunterricht, dass ich von andere Kindern gehänselt werde, wenn ich eine Übung wieder nicht kann
Scham vor meiner Mutter, als sie mich badet und schimpft, "meinst du, ich schau dir was weg?!", während ich einen Lappen zwischen die Beine halte
Angst, dass meine Eltern bloß nicht aufwachen, als ich spät in der Nacht zur Toilette schleiche
verzweifelte Wut, als mir heimlich aufgenommene Tonbandaufnahmen vorgeführt werden, um mir vor Augen zu führen, was für ein unmögliches Kind ich bin
gehänselt von Mitschülern wegen meiner nervösen Zuckungen
wieder einmal völlig bewegungsunfähig durch einen steifen Nacken
wiederholte Nierenschmerzen
verkorkster Magen mit anschließender Diät
unglücklich verliebt
Diashow im kleinen Familienkreis mit Fotos, die mich weinend zeigen und belegen, was für ein schwieriges Kind ich doch war